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"Die Glocke" vom 05. Juli 2007:
Kirchenschiff taucht ab ins Meer der Klangfarben
von Matthias Grünebaum
Gütersloh (mag). An seinen ersten Anruf bei Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann kann sich Markus Titzeck noch genau erinnern. Auf seine vorsichtige Anfrage, ob er bereit sei, ihn in die Künste des Orgelspielens im Einzelunterricht einzuführen, hakte dieser erst einmal nach: ,,Wie viel bist du denn bereit zu üben?“

Die zahlreichen Übungsstunden haben sich offensichtlich ausgezahlt. Markus Titzeck ist mittlerweile nebenamtlich Organist im Pfarrbezirk Stadtmitte. Einen Eindruck vom musikalischen Können des 28-Jährigen können sich Besucher aber auch bei einem Konzert in der Reihe ,,Gütersloher Chor- und Liedersommer“ am Sonntag ab 18 Uhr in der Martin-Luther-Kirche machen. Grund genug für ,,Die Glocke“, den talentierten Organisten etwas genauer vorzustellen. Eigentlich zog es Markus Titzeck ja schon mit zehn Jahren an die Orgel. Dass er dennoch den klassischen Weg über Blockflöte und Klavier nahm, hatte mit der Musik nichts zu tun: ,,Meine Beine sind einfach noch zu kurz gewesen“, schmunzelt er. Mit 20 Jahren wendete er sich dann allerdings - wenn auch relativ spät - verstärkt dem Orgelspiel zu. An gewöhnlichen Arbeitstagen spielt die Musik für Markus Titzeck allerdings zuerst woanders. Hauptberuflich ist er nach abgeschlossenem Studium der Pharmazie in Münster in der Süd-Apotheke anzutreffen. ,,Genau wie bei Konzerten oder in Gottesdiensten habe ich dort direkten Kontakt mit anderen Menschen.“ Wenn er an das Konzert am Sonntag denkt, erwacht wieder der Vollblutmusiker in ihm. Die Martin-Luther-Kirche reizt ihn aus mehreren Gründen. ,,Die Klänge, die unnachahmlich im Raum weitergetragen werden, die vielen Spielmöglichkeiten auf der Orgel durch die Register...“, schwärmt Titzeck, während er seinen Blick durch das Kirchenschiff schweifen lässt. Dank 59 Registern sei es möglich, eine besonders breite Palette an Klangfarben auszunutzen. Im Mittelpunkt des Konzerts steht außer der Orgel- auch die Trompetenmusik. Zu hören sind eine Sonate von Josef Vejvanovsky und das bekannte Concerto B-Dur von Tomaso Albinoni. Mit Markus Titzeck musiziert Jan-Christopher Knufinke. Beide kennen sich noch aus der Schulzeit am Evangelisch Stiftischen Gymnasium. Und wie sähe das persönliche Wunschkonzert Titzecks aus? ,,Natürlich auch Bach, der große Lehrmeister“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Dessen Musik hat er nicht zuletzt in den Übungsstunden mit Bothmann kennen und lieben gelernt.
Paul Gerhardt-Musik am 11. Mai 2007 in der Apostelkirche ("Westfalenblatt")
Musik seiner Zeit und Texte von ihm und von heute wurden im Rahmen der Feiern zur Erinnerung an Paul Gerhardt und dessen 400. Geburtstag am Freitagabend in der Apostelkirche vorgetragen. Spielte das Instrumentalensemble um den Cembalisten und Organisten, Markus Titzeck, Werke aus dem Barock, so las Bärbel Felchner vom Förderverein historische Kirchen tiefsinnige Texte von und über Paul Gerhardt.

Wurde die Veranstaltung konzertant mit Arcangelo Corellis (1653-1713) 2. Kirchensonate in d eröffnet, fand zumindest der instrumentale Teil wiederum auch seinen Abschluss mit der Kirchensonate 1 in g von selbigem Komponisten. Sich von ersterer - und deren Satzaufbau von Grave, Andante, Allegro, Largo und Allegro mit Grave, Allegro moderato, Allegro, Adagio und Allegro vivace unterscheidend, entsprach letztere Sonate in ihrer abrundenden Feierlichkeit wiederum der Ersteren in deren eröffnender Festesstimmung. Dieser wurden die Violinistin, Rosemarie Hirschberg, die Flötistin, Verena Schulte, der Cellist, James Peters und der Cembalist, Markus Titzeck auch in den Suiten Nr. 6 und Nr. 15 von Johann Hermann Schein (1585-1630) in würdigenden Klängen gerecht. Eingedenk, dass einst möglicherweise auch Gerhardt besagte fünfsätzige Suiten zu Gehör bekam, glänzte das Quartett in der Padouana der Ersteren durch Jovialität im Unisonoklang, in deren Gagliarda punktiert abwechslungsreich und der Courente mit Positivität. Konnte der Deutsche Tanzsatz der Allemande in seinem gemächlichen Schwung auch so manche Schwere erheben, gelang die Tripla mit ihren Flötenläufen fließend.
Erinnerten an Paul Gerhardt (v.l.): James Peters, Bärbel Felchner, Markus Titzeck, Fördervereins-Vorsitzender Ullrich Felchner, Rosemarie Hirschberg, Verena Schulte und Lea Martensmeier. (Foto: Johannes Zoller)
Erinnerungen an den großen Paul Gerhardt
Musik und Texte zum 400. Geburtstag des Künstlers