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Lutherkirche ins rechte Licht gerückt
Gütersloh (dop). Weg vom tristen, melancholisch anmutenden Grau, hin zu strahlender HeIligkeit sowie einnehmender Farbe und damit zu einer anderen Art der Wahrnehmung. Das ist der Weg, den Sören Laubner am Samstag, 28. Juli, mit möglichst vielen Gleichgesinnten in der Martin-Luther-Kirche gehen möchte. Im Rahmen des "Gütersloher Sommers", und unterstützt vom Förderverein Historische Kirchen, lädt der 23-jährige Informationselektroniker zu einer Licht- und Klang-Performance ein. Gewidmet ist sie dem deutschen Dichter Paul Gerhardt, dessen 400. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. Es ist nicht das erste Mal, das Laubner die Martin-Luther-Kirche "ins rechte Licht" rückt. Für den Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) gestaltet er seit mehreren Jahren die so genannten Online-Gottesdienst in Güterslohs großer Stadtkirche. Und auch viele Fans der alljährlichen "langenachderkunst" wissen seine wohl überlegten Illuminationen des Gebäudes zu schätzen. Am 28. Juli möchte Laubner aber noch viel mehr aufbieten, als die kunstsinnigen Nachtschwärmer bislang sehen konnten. Sein gesamtes technisches Equipment will der 23-Jährige zum Einsatz bringen. Über 30 Scheinwerfer, Scanner und elektronische Regler werden sowohl für punktuelle Beleuchtung als auch für bewegte - und bewegende - Lichteffekte sorgen. Dabei geht es ihm nicht nur darum, die dafür notwendige Technik als Herausforderung zu meistern oder die architektonischen und stilistischen Besonderheiten des Gotteshauses ins "Rampenlicht" zu stellen. Wichtig ist Laubner vor allem, die Kirche als einen interessanten, spirituellen Ort des Erlebens zu präsentieren. Unterstützt wird er dabei von Organist Markus Titzeck. Er wird mit verschiedenen Kompositionen von der Klassik bis zur Moderne Bezug nehmen auf die Dichtungen Gerhardts. Die Zuhörer dürfen sich auf einen Variationszyklus von Gottfried Fischer über "Die güldene Sonne" ebenso freuen wie auf Präludium und Fuge C-Dur von Johann Sebastian Bach, der ein bekennender Verehrer Paul Gerhardts war. Zum Abschluss soll das bekannte Abendlied des Dichters, "Nun ruhen alle Wälder", gemeinsam mit dem Publikum intoniert werden. Für eine meditative Stimmung wird Bärbel Felchner vom Förderverein Historische Kirchen sorgen. Sie liest verschiedene Texte von Paul Gerhardt. Ullrich Felchner übernimmt die Moderation des Abends und wird den Gästen Wissenswertes zu Architektur und Kunstobjekten der Kirche vermitteln. Beginn der gut einstündigen Licht- und Klang-Performance ist nach Einbruch der Dunkelheit um 21 Uhr. Aber schon vorher, ab 19 Uhr, wird die Kirche geöffnet sein. Denn Sören Laubner, der sich auch in der Kirchenkulturinitiative "Inspirations" engagiert, hat sich noch einige kleinere Aktionen überlegt, um die Besucher an Leben und Werk von Paul Gerhardt sowie an die Kirche als Erlebnisort heranzuführen. So wird man per Computer in die Vita des deutschen Dichters eintauchen und verschiedene musikalische Interpretationen seiner Werke hören können. Sie reichen von der rein klassischen Wiedergabe bis zum modernen Sacro-
Pop. Wie alle Veranstaltungen des "Gütersloher Sommers" ist auch diese kostenfrei.
("Die Glocke", Doris Pieper)
Mediterranes Flair in der kühlen Martin-Luther-Kirche
Gütersloh (mab). In einem ganz ungewöhnlichen Licht hat am Samstagabend die Martin-Luther-Kirche gestrahlt. Kräftiges Gelb und warmes Rot verliehen dem Gotteshaus eine mediterrane Atmosphäre. Langsam, passend zu den Klängen der Orgel, die Markus Titzeck erklingen ließ, wechselt das Farbspiel. Auch Grün und Blau lassen den Altarraum in völlig anderem Licht erscheinen. Das Altarkreuz, die Kerzen und die Blumendekoration werfen lange Schatten an die Wand. Die angestrahlten Säulen der neugotischen Hallenkirche unterstreichen das dekorative Spiel der Farbtöne. Im Licht der Scheinwerfer erstrahlen auch die Kapitelle. "Die Blätter auf den Kapitellen wiederholen sich nicht", klärte Ullrich Felchner die zahlreichen Besucher auf, die am Wochenende im Rahmen des "Gütersloher Sommers" in die evangelische Stadtkirche gekommen waren. Am Samstagabend zeigte sich besonders deutlich, das Licht immer mehr war und ist als reine Beleuchtung. Es verzaubere nicht nur den Kirchenraum, sondern finde sich auch in den Zeilen der Bibel, erklärte Felchner. Schon Jesus Christus habe einst gesagt: "Es werde Licht, und es ward Licht." Sören Laubner hatte die Martin-Luther-Kirche in ein anderes Licht gesetzt. Nicht zum ersten Mal hatte der Gütersloher Informationselektroniker das Gotteshaus beleuchtet, aber zum ersten
Mal in Rahmen des "Gütersloher Sommers". Die Veranstaltung vonVerkehrsverein und Förderverein historische Kirchen im Stadtzentrum war Paul Gerhardt gewidmet, einem der bedeutendsten deutschen Kirchenlieddichter , der vor vierhundert Jahren in Gräfenhainichen geboren wurde. Sein Leben und Wirken war während der fast zweistündigen Veranstaltung auf einer Leinwand an der Seite des Kirchenraums zu sehen. Die Orgel spielte Markus Titzeck. Während der Rezitation von Bärbel Felchner entlockte er ihr hauchzarte Töne. Völlig andere Töne erklangen dann beim "Allegro maestoso e vivace" von Mendelssohn, mit dem die Veranstaltung endete. An diesem Abend standen die Kirchentüren lange weit offen. Immer wieder kamen Passanten hinein, genossen die Lichteffekte und lauschten den Worten der Lesungen von Bärbel Felchner. Alle Kirchenbänke waren voll besetzt. Gemeinsam erklangen die Lieder "Nun ruhen alle Wälder" und "Sollt ich meinem Gott nicht singen", geschrieben von Paul Gerhardt. Ebenso wie das bekannte Kirchenlied ,,0 Haupt voll Blut und Wunden", gespielt von Sven und Doris Reuter auf Gitarren.
("Die Glocke", Borgelt)